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Grundhaltungen

Der Mensch verfügt nach Carl R. Rogers, dem Begründer der Ge­sprächs­psychotherapie, über unerhörte Möglichkeiten, um sich selbst zu be­greifen und sein Selbstkonzept, seine Grundeinstellungen und sein selbst­ge­steuertes Verhalten zu verändern. Dieses Potential kann erschlossen werden, wenn es gelingt, ein klar definiertes Klima förderlicher Einstellungen her­zu­stellen. Drei Bedingungen oder Variablen, die "sich auch in der empirischen Forschung als wichtig für den Erfolg von Beratungsgesprächen und Gesprächstherapien erwiesen" (Bachmair et al., 1999, S. 30) haben und denen ich mich voll­inhaltlich anschließen kann, müssen erfüllt sein, damit ein wachs­tums­fördern­des Klima entsteht. Diese sind (vgl. Bachmair et al., 1999, S. 29ff):

1. Echtheit oder Kongruenz. Dies ist die grundlegendste unter den Einstellungen des Therapeuten, die den positiven Verlauf einer Therapie fördert. Je mehr der Therapeut in der Beziehung er selbst ist, das heißt, kein professionelles Gehabe und keine persönliche Fassade zur Schau trägt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Klient äußern und auf konstruktive Weise ändern wird. Das bedeutet, dass der Therapeut offen die Gefühle und Einstellungen äußert, die ihn im Augenblick bewegen. Der Begriff "Transparenz" wird diesem Sachverhalt gerecht – der Therapeut macht sich gegenüber dem Klienten transparent. Der Klient kann ohne weiteres sehen, was der Therapeut in der Beziehung ist, der Klient erlebt kein Zurückhalten seitens des Therapeuten. Was den Therapeuten betrifft, so ist das, was er oder sie erlebt, dem Bewusstsein zugänglich, kann in der Beziehung gelebt und, falls angebracht, kommuniziert werden. Es besteht also eine genaue Übereinstimmung oder Kongruenz zwischen dem körperlichen Empfinden, dem Gewahrsein und den Äußerungen gegenüber dem Klienten.     

2. Wertschätzung oder bedingungsfreies Akzeptieren. Die zweite Vor­­aussetzung für ein veränderungsförderliches Klima ist das wert­schät­zende Akzeptieren des Klienten in seiner personalen Ganzheit, in anderen Worten bedingungsfreie positive Zuwendung. Wenn der Therapeut in der Interaktion eine positive, akzeptierende Einstellung gegenüber dem Klienten hat, wird es mit größerer Wahrscheinlichkeit zu therapeutischer Bewegung oder Veränderung kommen. Der Therapeut ist gewillt, den Klienten sein jeweiliges momentanes Gefühl ausleben zu lassen, sei es Verwirrung, Groll, Furcht, Zorn, Mut, Liebe oder Stolz. Eine solche Zuwendung seitens des Therapeuten ist nicht besitzergreifend. Der Therapeut bringt dem Klienten eine totale, keine an irgendwelche Bedingungen geknüpfte Wertschätzung entgegen. Dadurch gewinnt dieser eine positivere Beziehung zu sich selbst und somit die Kraft, auch problembesetzten Anteilen seines Selbst und seiner Situation offener zu begegnen.

3. Empathie oder Einfühlendes Verstehen. Der dritte förderliche Aspekt einer solchen Therapeut-Klienten-Beziehung ist das einfühlsame Verstehen. Das bedeutet, dass der Therapeut genau die Gefühle und persönlichen Bedeutungen spürt, die der Klient erlebt. Ein solches einfühlendes Verstehen heißt, dass der Therapeut in der Welt des Klienten zu Hause ist. Es ist ein unmittelbares Gespür im Hier und Jetzt für die innere Welt des Klienten mit ihren ganz privaten personalen Bedeutungen, als ob es die Welt des Therapeuten selbst wäre. Der Therapeut versucht quasi, in die "Haut des Klienten zu schlüpfen". Er bemüht sich, die Botschaften des Klienten auf den verschiedenen Nachrichtenseiten zu verstehen, also über den Standpunkt der subjektiven Interpretation hinaus die Intention des Senders empathisch zu erfassen.